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Denken und Danken

Bedenken?

Wegdenken!

Konsumdenken?

Überdenken!

Gewissensdenken?

Gedenken!

Statusdenken?

Durchdenken!

Wunschdenken?

Nachdenken!

Zurückdenken?

Vorausdenken!

Schubladendenken?

Weiterdenken!

Ausdenken?

Hineindenken!

Zudenken?

Umdenken!

Hindenken?

Herdenken!

 

Mitdenken!

Schöner schreiben. Schöne Schreiben. Schönes schreiben. Schönes Schreiben.

Das Internet ist voller Sprüche über Schönheit; ob alle schön sind, ist genauso unsicher wie die Bedeutung von Schönheit und schön. Mir ist klar, dass ich schön blöd bin, mir darüber Gedanken zu machen, aber das Wetter ist grade nicht so schön und ich habe grad etwas Zeit – das finde ich schön.

Die Biene zum Beispiel findet es schön, dass sie auf der Welt ist. Zumindest tut sie das dem Stachelschwein gegenüber kund, sagt beziehungsweise singt Anita – oder sie hat ganz schön gelogen (oder Roy Black hat Anita schön einen vom Pferd – von der Biene erzählt).

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Schöner Ausblick (St. Peter-Ording)

„Am schönsten sind wir, wenn wir niemandem gefallen wollen.“, liest man in Schönschrift im Internet. Bin ich in Joggingbuchse und Wacken-T-Shirt auf dem Sofa also schöner als im Hemd auf der Arbeit? Wenn ich nun in Joggingbuchse zur Arbeit gehe, würde mir mein Chef bestimmt nicht schöntun.

„Ich mag schöne Menschen. Ihr Aussehen ist mir dabei völlig egal.“ Steht gleich neben „Ich glaube, dass glückliche Mädchen die schönsten Mädchen sind.“. Nun sind Mädchen ja auch durchaus Menschen – ergo sind die Mädchen schön, denen ihr Aussehen egal ist? Solche Mädchen gibt es nur im Kindergarten in der Bienengruppe und alle heißen Anita.

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Schöner Weitblick

„Schönheit beginnt in dem Moment, in dem Du beschließt, Du selbst zu sein.“ Wer soll ich denn sonst sein als ich??? Bin ich also immer schön, wenn ich ich bin? Nur weil ich ich bin? Das gilt vielleicht für den Schönling und Schönwetterfußballer Ronaldo, der ja schon seine eigene Marke ist, aber bestimmt nicht für einen schüchternen Menschen, der sich unschön in seiner Haut fühlt.

Eines weiß ich sicher: Die politische Schönwetterlage ist im Moment mehr als unschön und lässt derzeit keinen Platz für Schöngeister, sondern leider für böse Geister. Aber dies zu vertiefen würde uns ganz schön vom Thema abbringen.

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Schön und stolz.

„Nicht die Schönheit entscheidet, wen wir lieben, sondern die Liebe entscheidet, wen wir schön finden.“ Aber: „Schönheit ist nicht alles, sagte Ken und verließ Barbie.“ – da half auch kein schönreden. Vielleicht hatte sie zu viel Schönfärber im Haar? Vorzugsweise blond… Denn seine letzten Worte an sie waren: „Rede nicht von Schönheit, wenn Deine Schminke mehr wiegt als Dein Gehirn!“

Ganz schön gemein.

Ich könnte meine Zeit jetzt noch nutzen, um vom Schönheitschirurgen auf einer Schönheitsfarm meine Schönheitsfehler korrigieren zu lassen, aber eine Schönheitskur nach dieser aufwendigen Schönheitsoperation wäre mir zu langweilig, das könnte ich mir noch nicht einmal schöntrinken.

Dass ich kein Schönheitskönig bin, weiß ich selber, und schön schreiben oder schönschreiben kann ich auch nicht, denn jetzt habe ich schön den Faden verloren.

Also schöne Grüße.

Bis bald.

Das wäre schön.

Social Media Burnout

Ich bin des Überflusses überdrüssig.

Des medialen Überflusses.

Eigentlich sollen die Sozialen Netzwerke Spaß machen. Nur ist das bei mir nicht mehr der Fall; die Gründe sind vielschichtig.

Nehmen wir Twitter: Ich habe z.B. die Angewohnheit, morgens ein maritimes „Moin Moin“ zu verfassen. Also wird das Handy sofort nach dem Aufstehen angemacht und noch vor dem bzw. beim Kaffeekochen getweetet. Dies hat sich zu einer Sucht entwickelt – nicht mehr nur zu einer liebgewonnenen Routine.

Ermüdend!

Dann das Überfliegen der TL. Überfliegen? Wer mehr als 300 Leuten folgt, weiß, dass ein „Überfliegen“ der TL mindestens eine halbe Stunde dauert. Ein Zeitfresser.

Ermüdend!

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Statt auch abends die TL zu „überfliegen“, werde ich in Zukunft lieber öfter ein Buch lesen oder eine nette Platte hören. In Ruhe!

Des Weiteren befinde ich mich dienstlich gerade in einer dauerhaft nervigen und stressigen Situation. Die Zeit, wo Twitter eine willkommene Abwechslung war mit lustigen und hintersinnigen Sprüchen, ist nicht mehr so gegeben dort; auch in meiner TL sind diese weniger geworden. Stattdessen nun auch hier ein „Jeder gegen Jeden“ bzw. Tweets und Replys, die den Konsens einer vernünftigen Diskussion längst verlassen haben bzw. diese gar nicht im Sinn haben, sondern bewusst polarisieren und auch beleidigen.

Ermüdend.

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Ich habe das Gefühl, viele reden sich Twitter schön. Es twittert doch keiner mehr „nur so zum Spaß“, sondern freut sich insgeheim oder erwartungsvoll und offen über Favs und Retweets. Eigentlich ist aus dem Spaß die Maxime „Je mehr Favs, desto besser und wertvoller bin ich!“ geworden. Kaum einer schreibt wirklich noch „für sich“, ungefiltert und ohne Hintergedanken. Eher treibt viele das Gefühl an, liefern zu müssen.

Ermüdend.

Was viele vergessen: Die Zahl an Followern ist rein virtuell; es sind zudem Follower, keine Freunde. Ich habe z.B. derzeit 2312 Follower – wie vielen von denen ist denn aufgefallen, dass ich nur noch sporadisch twittere bzw. wie viele würden mich tatsächlich vermissen, wenn ich aufhören sollte bzw. würden sich sogar Sorgen um mich machen, wenn von heute auf morgen kein Beitrag mehr kommt? Eine Handvoll vielleicht, maximal ein Dutzend.

Trotzdem werde ich Twitter treu bleiben und irgendwann wieder anfangen, regelmäßig zu twittern. Aber bis dahin ist so ein Urlaub von Twitter erholsam.

Bei Facebook verhält es sich noch schlimmer. Dort profiliert sich jeder meiner „Freunde“ und tatsächlichen Freunde fast nur noch über „Schneller, Höher, Weiter“ bzw. „Mein Haus, mein Boot, mein Pferd“.

Ermüdend.

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Die teuersten Konzertbesuche, die schönsten Urlaube, das Essen im exklusivsten Restaurant der Stadt – alles muss sofort und in Echtzeit gepostet werden. Statt den Augenblick erstmal mit den eigenen Sinnen zu genießen, müssen alle anderen unbedingt daran teilnehmen, damit sie neidisch werden und einen bewundern. Und ja – das macht mich neidisch, weil ich mir genau so etwas im Moment nicht leisten kann. Also lasse ich ihnen ihren Spaß; ab sofort werde ich daran jedoch nicht mehr virtuell teilnehmen. Auch ich habe zwar bei Twitter manchmal in Echtzeit Bilder, Konzerte und Eindrücke gepostet und kann mich hiervon also nicht komplett frei sprechen – allerdings habe ich dies ohne einen Hintergedanken getan.

Jeder sollte die Netzwerke nutzen wie er mag – aber er sollte sich nicht von ihnen benutzen lassen. Fremdsteuern lassen von Ihnen.

Bis bald dann wieder bei Twitter oder hier 😉

(Der) Wintertag in Kiel

Wer kennt es nicht? Kiel, das Kitzbühel des Nordens! Am Wochenende war es nun wieder so weit, zum zweiten Mal in diesem Winter (nach dem Wochenende 09. + 10. Dezember 2017) verwandelte sich Kiel in einen Wintersportort. Gut, der Kieler Autofahrer an sich nahm es weniger sportlich und schaltete im Klischee des ruhigen und bedachten Norddeutschen einen Gang höher, indem er auf der Straße zwei Gänge niedriger als ohnehin schon zurückschaltete.

Sportlich nahmen es gestern auf der Ostsee vor allem die Kiter und die Möwen. Die einen mit der Windrichtung Ostwind auf den Wellen reitend, die anderen gegen die Windrichtung Ostwind über den Wellen fliegend auf angespülte Nahrung lauernd.

Und nein – wir können am Strand zwar keine Schneeballschlacht, sondern höchstens eine weiß gesprenkelte Sandkugelschlacht veranstalten, und wir können auch kein Langlauf fahren – aber wir können dick eingepackt dem Schneetreiben trotzen und am Strand lang laufen! Dazu das sich vereinende Rauschen des Windes und der Wellen – das ist die norddeutsche Art, den Winter zu genießen.

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Ostwind am Falckensteiner Strand

Dazu passt auch, dass wir nach dem Spaziergang noch stundenlang aus dem Fenster blicken und dem Schneetreiben zusehen können. Da sind wir viel leichter zu begeistern als die Süddeutschen, bei denen sich Schnee als Normalität schon abgenutzt hat.

Sei es wie es sei: Gönnt uns die kindliche Freude – wir haben ja sonst keinen Winter!

Er ist ja heute auch schon wieder vorbei hier oben.

Holocaust-Gedenktag oder: Der Umgang mit Andersdenkenden

Seit 32 Jahren gehe ich zum FC St. Pauli, aber gestern war einer der emotionalsten Augenblicke, die ich am Millerntor in dieser Zeit erlebt habe.

Der Anlass: Am Freitag jährte sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee im Jahr 1945. Der Verein und seine Anhängerschaft gedachtem diesem Anlass: Zunächst mit einer Videobotschaft von Esther Bejarano, die das KZ überlebt hat. Sie rief dazu auf, gegen den immer mehr aufkeimenden Nationalismus in Deutschland, aber auch in anderen Ländern Europas entgegen zu wirken, zu demonstrieren.

Beifall.

Direkt anschließend eine Schweigeminute, während der die Mannschaften das Spielfeld betraten.

Stille.

30.000 Zuschauer schweigen. In der gleichzeitigen Choreographie wurde ein Banner „Kein Vergeben – Kein Vergessen!“ sowie schwarze Schilder mit den Namen ermordeter Juden hochgehalten. Auch die Darmstädter Fans beteiligten sich mit demselben Spruch auf Spruchband!

Gänsehaut.

Jedoch gleich darauf eine Diskussion mit meinem Kurvennachbarn, der die Verquickung von Sport und Politik bemängelte und meinte, dass es nun langsam mal gut sein müsse mit der Vergangenheitsbewältigung. Ich zeigte ihm das Statement des Vereins: „ Wir haben eine Verantwortung, sowohl an die Opfer des Holocaust zu erinnern als auch gemeinsam gegen Antisemitismus und Rassismus zu kämpfen, denn diese existieren in der Gesellschaft unvermindert weiter!“ – „Schön und gut, aber mit diesem Schuldkult muss mal Schluss sein!“ meinte er. „Schuldkult? Du übernimmst schon ungefiltert das Vokabular von Bernd, Björn oder Bodo Höcke! Es geht nicht um eine Schuldzuweisung, sondern um ein Vermächtnis und ein Gedächtnis, das ist ein Unterschied!“ antwortete ich, bevor wir uns dem sportlichen Treiben in Form des prompt fallenden 0:1 widmeten. Ich hätte die Diskussion gerne weiter geführt – diese wird auch nur aufgeschoben sein.

Ein Schuldeingeständnis verlangt in anderen Ländern Europas längst niemand mehr. Diesen Wandel konnte ich bei Besuchen in Frankreich und Dänemark selbst feststellen, wo die jetzige Generation keinerlei Ressentiments mehr gegen uns als Nazis hat, im Gegensatz zu früheren Zeiten bis weit in die 80er, 90er Jahre hinein.

Das verlangt jedoch von uns, aufmerksam die Bewegungen in Deutschland wie jüngst das Erstarken eben der AfD zu beobachten und anzuprangern, wenn versucht wird, Rassismus wieder salonfähig zu machen. „Besorgte Bürger, die Besorgte Bürger suchen“, wie es Kettcar formulieren. Dabei gibt es durchaus unterschiedliche Sichtweisen auf den Umgang mit der AfD, auch im Sport.

Der HSV z.B. überlegt, AfD-Mitglieder aus dem Verein auszuschließen. Axel Formeseyn, der einige nette lesenswerte Publikationen zu seinem Verein veröffentlicht hat (die sogar ich als St. Pauli-Fan lese, ja. Man will ja schließlich ein wenig mitreden können über den Verein an der ehemaligen Müllverbrennung), ist gegenteiliger Meinung. Er hält es „für gefährlich, eine bestimmte Personengruppe auszuschließen und sie somit nur weiter in die Arme dieser Rattenfängerpartei zu treiben. Ich möchte, dass wir die aufklären! Mit einer klaren Position, wer oder was unser – und auch ihr – HSV eigentlich war, ist und in Zukunft sein wird.“ (nachzulesen in der Mopo vom 26.01.18).

Dieser Weg scheint mir tatsächlich der bessere zu sein. Wenn man sie auf diese Weise überzeugen kann, gut. Wenn sie so verbohrt in ihrer Denkweise sein sollten, dann haben sie wahrscheinlich eh irgendwann keine Lust mehr und bleiben dem Stadion fern. Aber von sich aus! Und keiner hätte sie in eine Opferrolle getrieben, in der sie sich ja nur zu gern medial begeben. Überzeugte Nazis wird man nicht von ihrem unrechten rechten Weg abbringen, aber wenn man die Claqueure und Unentschlossenen überzeugen kann, ist schon einiges gewonnen.

Ich für meinen Teil möchte jedenfalls gerne weiter diskutieren, wenn sich jemand sachlich darauf einlässt. Im Stadion wie auch auf der Arbeit oder sonst wo.

Free Prinz Willy. Rettet die Clubs!

Rettet die Prinz Willys Eurer Stadt!

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The Wishing Well

Das Prinz Willy ist ein kleines gemütliches Etwas am Kieler Südfriedhof, eine Verbindung von Eckcafe und Kneipe mit (Zitat Google-Suche) Vintage-Möbeln und gemusterten Tapeten. Im Prinz Willy werden seit Jahren regelmäßig Konzerte veranstaltet. Die Besonderheit ist hierbei, dass die Musiker keine Gage erhalten, sondern „der Hut“ unter dem Publikum herumgeht und jeder seinen Obolus für die Musiker entrichtet – so viel, wie ihm die Musik dann halt wert ist. Das Ganze steht unter dem Motto „Der Musiker ist König! Wir sind Prinz“.

Eva Hillered
Eva Hillered

Bis vor kurzem waren diese Konzerte komplett kostenlos, jetzt nimmt „Willy“ (nicht sein bürgerlicher Name, der lautet Jörg Wentorf, aber alle nennen ihn nur Willy) 1,50 € Eintritt. Also quasi immer noch kostenlos… Es steht somit kein kommerzielles Ziel hinter dem Laden, sondern die Liebe zur Musik, speziell zur Livemusik. Auch die Künstler schätzen dieses Konzept, auch wenn Ihnen das finanzielle Risiko bekannt ist. Hier haben sie die Möglichkeit, vor einem Publikum zu spielen, welches Ihnen zuhört, statt sich zu unterhalten und die Musik nur als Untermalung ihres Abends betrachtet. Hier sehen die Musiker noch Auge in Auge mit dem Publikum deren Reaktion auf ihre Lieder, und hier findet man immer noch Zeit auf ein kleines Bierchen und einen Plausch nach dem Konzert. Faszinierend ist, dass Willy trotz des finanziellen Risikos Bands und Musiker aus der ganzen Welt gewinnen konnte und hoffentlich auch noch weiterhin gewinnen wird.

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youdid

Denn letzten Freitag war er ziemlich gefrustet und hatte via Facebook sogar die Schließung des Ladens zum Jahresende angedroht. Auslöser war das Konzert von Mahendra, einer deutschen Band aus Osnabrück, die eben an diesem Freitag Abend anreiste und exakt einen Gast hinter dem Ofen hervor lockte. An einem bevorstehenden Wochenende. Dies hatte ihn so gefrustet, dass er (hoffentlich nur in seiner ersten Enttäuschung!) die Schließung des Ladens für Konzerte in Erwägung zog, wenn denn die Kieler nicht mehr bereit für Livemusik seien. Ein Problem, welches jedoch nicht nur in Kiel auftritt. Liegt es an der Netflixierung der Gesellschaft? Kriegen wir unseren Arsch für gute Livemusik wirklich nicht mehr hoch, sondern verdaddeln unsere (Frei)Zeit lieber am Rechner, um uns in virtuellen Welten auszutoben? Gebrauchen, verbrauchen oder missbrauchen wir Musik nur noch über ITunes? Sind wir zu bequem für Atmosphäre?

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The Lovely Eggs; Prinz Willy Goes Hotel Maritim

Fragen, auf die ich eigentlich keine Antwort hören möchte oder erwarte. Ich möchte stattdessen lieber an die Musikfreunde unter uns appellieren, solche kulturellen Perlen zu unterstützen. Geht auf Konzerte! Nehmt Musik nicht als selbstverständlich hin, sondern seid dankbar für jeden Club in der Stadt! In Kiel gilt dieser Dank neben dem kostenlosen Prinz Willy noch der Schaubude, der Räucherei, der Pumpe. In diesen Schuppen bekommt Ihr Livemusik für oft unter 10,00 € – in den großen Mehrzweckhallen und Arenen Eurer Stadt geht es oft erst ab 100,00 € los!

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The Wishing Well

Ich würde mich freuen, wenn es viel mehr Willys auf dieser eventfixierten Welt geben würde.

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Acoustic Guerillas

Wir sehen uns im Club!

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Simon Kempston

Die Bilder heute sind übrigens allesamt aus dem Prinz Willy; ich habe sie spontan und per Zufallsprinzip aus meinem Archiv hervorgeholt.

Satire oder Geschmacklosigkeit?

Nun ist der Wahlkampf doch noch schmutzig geworden, und das ausgerechnet durch Die Partei, deren fein- und vor allem hintersinnigen Humor ich mag. Aber mit dem Plakat des am Strand liegenden toten Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi sind sie über das Ziel hinausgeschossen. Mit Vollgas Richtung unterirdisch.

Martin Sonneborn sagte bissig gegenüber MEEDIA: „Das paßt natürlich in die aktuelle Situation, Schicksal und Tod von Flüchtlingen aus Wahlkampf und Öffentlichkeit herauszuhalten.“ Dieses Argument halte ich für grundlegend falsch, denn wo wir schon eine Grenze der Ethik? der Moral? des guten Geschmacks? überschritten haben, könnte doch die AfD in ihrer verqueren Weltanschauung nun ein Plakat eines der Anschlagsopfer z.B. aus Berlin zeigen und argumentieren, dass Merkels Einwanderungspolitik die Attentäter angelockt habe.

Fakt ist, dass nach jedem dieser unsinnigen Anschläge in den Sozialen Netzwerken darum gebeten wird, keine Bilder von Opfern zu veröffentlichen, sondern stattdessen Katzenbilder zu posten (wie nach Barcelona). Dies wäre auch eher für Die Partei nutzbar gewesen, a la „Tatzen statt Terror“.

Nun wird wieder gestritten, was Satire darf. Sie darf viel, und sie soll auch provozieren, keine Frage. Wenn man dann vernünftig über die Problematik diskutieren kann, umso besser. Aber Bilder von Toten zu nutzen, ist in meinen Augen eine neue Form der Verrohung unserer Gesellschaft und geschmacklos.

Falls jemand anderer Meinung sein sollte, bin ich gerne bereit, seine/ihre Argumente anzuhören.

Sachlich, nicht provokant. Und gerne nicht satirisch.

Musik. Emotionen in Bildern 3. Radio/TV.

Bitte lassen Sie mich durch, ich habe gute Musik im Ohr und möchte tanzen. (Tweet @CanailleGrande)

Wer wie ich in den späten 60ern geboren wurde, hat zur Musik ein anderes Verhältnis als die Generation heute. Was hauptsächlich daran lag, dass Musik noch nicht überall gegenwärtig und zu konsumieren war. Der einzige Radiosender, der in den 70ern und 80ern in meinem Radio im hohen Norden der Republik Musik spielte, die nicht schlagerdominiert war, war NDR2. Schwer zu glauben, aber es stimmt: Derselbe Sender, der heute nur noch Charts-Einerlei dudelt, hatte damals richtig gute Sendungen. Wenn auch anfangs nur zwei richtig gute 🙂

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Bela B.

Zunächst einmal um 14.00 Uhr „Musik für junge Leute“. Pflichtprogramm nach der Schule. Falls meine Eltern diesen Blog mal lesen sollten: Ihr habt es Euch zwar schon gedacht damals, aber jetzt gebe ich es endlich zu: Natürlich hatten wir jeden Tag mehr Hausaufgaben auf, als ich jeden Tag vorgab. Schließlich durfte ich das Radio ja erst anmachen, wenn eben diese Hausaufgaben alle erledigt waren, und da kam es halt regelmäßig vor, dass die eigentlichen Matheaufgaben am Morgen auf dem Weg zur Schule hastig in die Schulkladde geschmiert wurden. Zu sagen, dass mir die Liebe zur Musik somit einen besseren Schulabschluß gekostet hätte, wäre jetzt aber doch übertrieben, wenn ich doch so manches mal wegen dann doch komplett vergessener Hausaufgaben gute Noten verpasste.

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Who Killed Bruce Lee

Zurück zu „Musik für junge Leute“. Pflichtprogramm, da Peter Urban dort die neuesten Songs aus der Rockmusik spielte. Alleine schon das Intro mit „Layla“ von Eric Clapton erzeugte ein wohliges Gefühl, und auch heute noch muss ich jedesmal, wenn ich das Lied höre, an diese Sendung denken. Später kam dann um 19.00 Uhr „Der Club“ dazu, der unter anderem von Günter Fink moderiert wurde. Noch so eine markante, tolle Stimme. Allerdings habe ich sie geliebt und gehasst gleichzeitig, da es damals wohl von der Plattenindustrie streng verboten war, Lieder komplett auszuspielen. So musste ich immer auf den richtigen Moment des Fade-Outs warten, um die Aufnahme der guten BASF-Cassette rechtzeitig zu beenden, bevor er mir wieder reinquatscht. Klappte nur so semi…

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Locas In Love

Noch schlimmer als Fink war dann Mitte der 80er das Unikat Willem aka Der Dicke Willem mit seinen Top Fofftein. Jeden Samstag Pflichtprogramm, und jeden Samstag dasselbe Spiel: In die richtig geilen Lieder quatschte dieses bärtige Walross mit seiner dunklen Stimme mit Wonne rein oder sang auch gerne einmal mit. Dass er nebenbei ein guter Musiker war, der in den 70ern u.a. mit Udo Lindenberg im Onkel Pö abhing, wusste ich damals noch nicht. Ich verband ihn nur mit der deutschen Übersetzung von Captain Sensibles „Wot“ (Single immer noch in meinem Bestand): „Du sachst Käpt`n, ich sach Wat?“ oder dem genauso herrlich beknackten „Tarzan ist wieder da“. Auch legendär sein Auftritt im ersten Otto-Film als Barkeeper in der Rockerkneipe, der Otto den Witz mit dem pinkelnden Eskimo erzählt.

Nicht vergessen werden darf natürlich nicht die Institution Wolf-Dieter Stubel mit seiner Internationalen Hitparade! Ein fettes Dankeschön hier an Radio Bob, dass diese den alten Mann zurückgeholt haben von seinem Bauernhof oder seiner einsamen Insel oder wo immer er auch gesteckt haben mag und ihn jetzt wieder mit den alten Rockcharts ins Programm 2017 geholt haben. Chapeau!

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Feine Sahne Fischfilet

Gehen wir nochmal zurück in die Jahre 1982/1983 und wechseln vom Radio ins Fernsehen. Abgesehen vom Musikladen (für mich damals aber zu spät) oder Ilja Richter mit seiner Disco gab es keine Musik im TV, die unseren Ohren entsprach. Samstägliches Highlight dieser Quälerei war die Hitparade mit Dieter Thomas Heck und Schlagern, Schlagern, Schlagern. Pflichtprogramm vor dem 20.15-Uhr-Samstagabend-Programm. Meine Mutter hörte diese Schlager rauf und runter, was u.a. heute dazu führt, dass ich auf jeder Feier oder in jeder Kneipe, wo Witzbolde Schlager abspielen, die meisten Texte immer noch kenne und mitsingen kann (was weniger auf meine Gedächtnisleistung, als sicher in den meisten Fällen auf die schwachsinnigen Texte zurückzufahren ist).

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Lola Marsh

Irgendwann wurde sie auf den Mittwoch um 19.30 Uhr verlegt, und ich kann mich noch an unsere Aufregung in der Klasse erinnern: „Heute Abend unbedingt Hitparade einschalten!“ – „“Bist Du doof? Das Mumien-TV? Wozu das denn?“ – „Mann, da ist heute abend das erste Mal die Neue Deutsche Welle dabei!“ Tja, lacht ruhig, wenn Ihr das lest, aber das war tatsächlich eine Revolution für uns! Statt Adamo, Carpendale und Roland Kaiser sollten da doch tatsächlich zum ersten Mal unsere musikalischen Heroen mitspielen!!!! Und ich werd diesen Abend auch tatsächlich nie vergessen, wie nach den ersten Schlagerufftatas Trio auftraten. Da Da Da. Meine Mutter meinte nur „Was ist DAS denn?“, während mein Vater sich wegen Peter Behrens stoischem Gesichtsausdruck und absichtlich falschem Schlagzeugspiel (wenn ich mich recht erinnere, aß er nebenbei noch einen Apfel) doch sehr amüsierte. Bislang hatte meine Mutter diese Art Musik nur aus meinem Zimmer gehört, wo sie als Herrscherin über die Sicherung schon mal meine LP-Wiedergaben unterbrechen konnte, wenn es ihr mal wieder zu laut war. Aber hier, in IHRER Hitparade, war sie meiner Musik ausgeliefert. Und mein Vater, der in seiner Jugend immerhin die Rolling Stones hörte (die gibt es tatsächlich auch immer noch…), erinnerte sich an seine Jugend und kam meinem „Mach doch mal lauter!“ begeistert nach. Wie gesagt, Revolution.

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Alabama Shakes

Später erzürnten dann noch Hubert Kah in seinem Nachthemd und Geier Sturzflug mit der umgeschriebenen Version vom „Bruttosozialprodukt“ („und am Mittwoch kommt die Müllabfuhr und holt sich einen runter“) für Skandale im gutbürgerlich miefigen Milieu der Schlagerwelt. Die Hitparaden-Omi war die erste, die die Segel strich und kapitulierte (Eingeweihte wissen Bescheid). Von da an begann kontinuierlich der Niedergang der Hitparade, was schlußendlich ja darin gipfelte, dass ein gewisser Viktor Worms die Karre komplett gegen die Wand fuhr. Aber das bereits zu einer Zeit, wo mit MTV die Fernsehwelt endgültig von der Musik abseits des Schlagers erobert wurde.

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Element Of Crime

Rückblickend war es eine schöne Zeit – Musik war etwas besonderes für uns und nicht so einfach verfügbar wie heute. Und alleine die Langspielplatten… Aber davon demnächst mehr!

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Mercury Rev

Der Tod

Er ist unvermeidlich und gehört somit zum Kreislauf des Lebens als Ableben dazu.

Trotzdem wird er von mir zur Seite geschoben; verdrängt von den Mühen und Freuden des Alltags. Und doch ist er immer präsent. Lese ich Zeitungen oder einen Thriller, schaue ich Nachrichten oder einen Krimi im TV – er ist allgegenwärtig.

Aber irgendwie auf einer anderen Ebene, gedämpft und vor allem weit weg. Schlimm zwar, aber man stumpft irgendwie mit der Zeit ab. Bewusst nehme ich ihn erst dann wieder wahr, wenn jemand aus dem Familien-, Freundes- oder Kollegenkreis plötzlich verstirbt. Dann tritt er aus dem Hintergrund heraus, stellt sich in das Licht und sagt: „Schau her! Du kannst mich verdrängen, Du kannst mich verleugnen, aber ich bin trotzdem da. Ewig!“

Ihr kennt das vielleicht oder sogar wahrscheinlich auch: Nachdem ich von einem solchen Todesfall gehört habe, wird mir wieder bewusst, wie endlich ich bin. Wie unwichtig all das ist, über das ich mich im Beruf tagtäglich ärgere und aufrege. Ich nehme meine Umwelt, besonders dabei viele Kleinigkeiten viel bewusster wahr; freue mich, sie noch und gesund erleben zu dürfen. Man sollte viel mehr erleben im wahrsten Sinn des Wortes: (Er)Leben!

Ich werde demütig.

Demütig dem Leben gegenüber.

Dazu kommen Gedanken an den Verstorbenen; Erinnerungen kommen hoch. Ich verabschiede mich auf diese Art und Weise, versuche zu verstehen, zu begreifen, dass ich diesen Menschen nie mehr wiedersehen werde. Oft verbunden mit einer Traurigkeit, die daraus resultiert, dass mir bewusst wird, wie selten ich einige Verstorbene schlußendlich gesehen habe. Es drängt sich der Gedanke auf „Hättest Du Dich doch bloß öfter gemeldet…“. Aber das ist nun nicht mehr möglich, und zurück bleibt halt die Trauer und die Erinnerung und eben dieses Bewusstsein des selber Weiterlebens.

Das bewusste Freuen über das Leben verblasst „dank“ des Alltags dann wieder viel zu schnell, und der Tod tritt wieder zurück in seine Nische, wetzt dort seine Sense und denkt ruhig und ohne Boshaftigkeit: „Verdränge mich ruhig, Küstenrocker – ich bin schneller wieder da, als Du glaubst.“

Bei den unvermeidlichen Trauerfeiern und Beerdigungen denke ich so manchesmal, dass es vielleicht einfacher wäre, den Tod zu akzeptieren, wenn man aus einem anderen Kulturkreis käme. So wie teilweise in Lateinamerika, wo die Trauergemeinde minutenlang klatscht, um dem Toten und seinem Wirken auf diese Art Anerkennung zu zollen. Oder natürlich wie die Farbigen in New Orleans, wo eine Beerdigung teilweise den Charakter einer Party hat mit ihren Musikparaden. Die deutschen Trauerfeiern sind da ja eher trocken angelegt. Wobei es ja schon ein guter Schritt ist, dass bei uns inzwischen Lieblingslieder des Toten gespielt werden. Meine Lieder stehen für mich auch schon fest: The Verve mit Bittersweet Symphony und Metallica mit Nothing Else Matters in der Orchesterversion. Und obwohl schwarz eine vorherrschende Farbe bei mir ist, soll jeder anziehen, was er möchte. Keine Zwänge…

Apropos schwarz: Eigentlich ist der Tod ja doch ein täglicher Bestandteil meines Lebens. Als Punk- und Metalfan ist er mir allgegenwärtig. Auf meinen LP-Covern, auf meinen Bandshirts, auf Plakaten: Kaum eine Band aus diesen Genres kommt ohne Totenkopf aus. Selbst mein Fußballclub nutzt und vermarktet ihn. Aber ich nehme es als modisches Accessoir hin, erfreue mich sogar daran. So gesehen lebe ich in meiner Blase, benutze seine Kennzeichen, aber denke trotzdem nicht an ihn.

Ich verdränge ihn.

Und ja, ich habe Angst vor dem Tod. Wobei es nicht die Tatsache an sich ist, die mich ängstigt, sondern der Grund ist, dass ich nicht weiß, wie er passiert, wie lange es andauert. Meine größte Sorge besteht darin, keinen Einfluss auf den Zeitraum des Todes nehmen zu können, indem ich an lebensverlängernden Tröpfen in irgendeinem Krankenhausbett vegetiere. Aus diesem Grund habe ich eine Patientenverfügung erwirkt – etwas, das ich jedem empfehlen kann. Apropos Krankenhaus: Ich bin voller Bewunderung für die Menschen, die in eben diesen Stationen im Krankenhaus oder in Alten- und Pflegeheimen arbeiten. Menschen, die tagtäglich mit dem Tod zu tun haben und die ihre Arbeit trotzdem gerne machen.

Es ist toll, dass es Euch gibt!

leider erfahrt Ihr meiner Meinung nach viel zu wenig Wertschätzung von Arbeitgebern und Politik, die Euch um des Profits wegen ausquetschen. Wie Ihr persönlich mit dem alltäglichen Tod umgeht, wie sehr er Euch nahe geht, vermag ich mir nicht ansatzweise vorzustellen, aber ich hege eine tiefe ehrliche Bewunderung für Euch.

Das Fazit: Genießt die Zeit mit Euren Lieben, den Familien, den Freunden.
Man weiß nie, ob es das letzte Mal war, dass Ihr Euch seht.

Wahlplakat-o-mat.

„Je höher das Plakat, desto niedriger das Niveau“

Nun hängen sie also wieder hoch oder halbhoch an den Laternenmästen (oder liegen bequem gebettet daneben). Es ist Wahlkampf. Wenn ich so durch Kiel laufe und die Plakate sehe, dann kommt mir schon so einiges in den Sinn – meistens Unsinn.

Was genau wollen die Parteien denn erreichen mit ihren von teuren Marketingfirmen erdachten plakativen Slogans auf den Plakaten? Ich halte mich für durchschnittlich intelligent, bin auch durchaus politisch interessiert und habe mich daher mal darin versucht, diese Slogans zu verstehen; versucht, einen Sinn dahinter zu entdecken.

Die CDU.

Sie wirbt mit der Kanzlerin und „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.“ Wir sollen also ein Land wählen? Stehen wir vor der Bundestagswahl oder vor dem Grand Prix? 12 points for germany! Ich dachte, ich soll eine Partei wählen… Und was geschieht mit diesem Deutschland und mit mir, wenn ich nun nicht die CDU wähle? Lebe ich dann nicht mehr gut und gerne hier? Oder ist das ein gezielter Aufruf an all die Zugereisten und Zugezogenen in diesem Land? Getreu dem Motto: Du kommst zwar aus der Türkei oder aus Bayern, aber jetzt lebst Du in Deutschland und wählst es dann auch gefälligst! Und wenn er dann etwas anderes als CDU wählt, droht ihm dann der Entzug der Staatsangehörigkeit? Nun, eigentlich auch völlig egal. Das Antlitz der Kanzlerin alleine reicht völlig aus und sie wird eh wiedergewählt werden. Da könnte auch stehen „Rettungsgasse bilden.“ oder „Berlin ist toll – auch ohne Flughafen.“ – das Gesicht ist der Joker im Kartenspiel der Wahlplakate. Dazu kommen dann noch regionale Politiker, die an ihrem Posten kleben und daher auch dort in Berlin bleiben wollen. Nicht, dass die wieder Politik in der Provinz zu verminderten Bezügen machen müssen!

Danke, Merkel!

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Bloß nicht zurück nach Kiel… Schön aber auch das Plakat der MLPD: Wovon die Frau wohl befreit werden soll? Vom Megafon?

Die SPD.

Noch ein Gesicht: Die SPD setzt auf das von Martin Schulz. Oder wie er selbst sagen würde: Von Martin Chulz. In groß steht dann: „Die Zukunft braucht neue Ideen. Und einen, der sie durchsetzt.“ Und klein darunter: „Zeit-für-mehr-Gerechtigkeit.de SPD“. Das regt mich auf! Wird denn nur noch in Bindestrichen und Punkten geschrieben? Ich wohne ja schon in Kiel.Sailing.City und sehe dort die Bundeswehr. Wir.Dienen.Deutschland. Nun also auch die SPD. Wer kam bloß auf diese blöde Idee und setzte die auch noch um? Ach ja, Martin Schulz.
Schön auch: „Wer als Frau 100% leistet, darf nicht 21% weniger verdienen!“ Klingt wie eine schlechte Matheaufgabe: Wenn eine Frau für 100 Prozent 21 Prozent weniger verdient, wieviel Prozent hat dann das Bier des Mannes weniger als alkoholfreies? Der nächste Slogan: „Bildung darf nichts kosten. Außer Anstrengung.“ Nun, hier in kurzen Worten zu skizzieren, was ich davon halte, ist mir zu anstrengend. Ich ungebildeter Mensch, ich.

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Martin Schulz

Bündnis 90/Die Grünen.

„Zukunft kann man wollen. Oder machen.“ Klar, gute Slogans kann man wollen, wollen die Grünen wohl auch. Warum haben sie dann keine gemacht? Beispiel 2: Vor Cem Özdemir steht „Zwischen Umwelt und Wirtschaft gehört kein oder!“ Natürlich nicht! Zwischen Umwelt und Wirtschaft gehört das und!
Oder: Vor Katrin Göring-Eckardt steht „Unser Klimaziel: Endlich handeln.“ TOLL! Jetzt dann mal? Jetzt erkennen die Grünen also, dass sie in all den Jahren ihrer Mitregierungstätigkeit nie gehandelt haben.
Abgesprochen mit der SPD (schon geheime Absprachen einer gemeinsamen Opposition?) scheint: „Wenn man gleich viel leistet, sollte Frau auch gleich viel verdienen.“ Ich glaube, hier war eine Marketingfirma so clever und freut sich immer noch einen Ast ab, dass sie den gleichen Slogan an zwei verschiedene Parteien kreiert und verkauft und mit 100% Idee 200% Kohle verdient hat. „Lass uns mal den Spruch nur etwas umschreiben, merkt hundertprozentig keine Frau!“ Stimmt.

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Cem Özdemir

Die Linke.

Werben nicht mit Gesichtern. Wozu auch? Außer Gysi kennt man ja auch keinen da, und den gibt es nicht mehr zur Wahl. Stattdessen wirbt man mit Begriffen.
Verdient. Respekt. Kinder. Nähe. Zuhause. Gerecht. Frieden. Mensch.
Klingt so, als ob die Agentur diese Begriffe beim Scrabble ausgewählt hat. Oder fleißig Kreuzworträtsel ausgefüllt hat.
Das, was sie dann aber bei Nähe (Mehr Personal in Pflege und Gesundheit) und Mensch (Entschieden gegen rechte Hetze) geschrieben haben, ist nicht nur verständlich und aussagekräftig, sondern absolut richtig und wichtig.

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Absolut.

Die FDP.

Steht in diesem Wahlkampf für „Feiert den Profilneurotiker“. Egal, welcher Slogan da auch steht, über und vor allem steht Christian Lindner. Ohne diese Slogans könnte man glatt denken, es handele sich um die Ankündigung für die nächste Staffel vom Bachelor. Oder, wie es ein Twitterer so schön schrieb, für eine Hugo Boss-Kampagne. Kann aber sogar klappen: Häng das Plakat neben Schulz auf und alle Frauen kreischen: „DEN wähle ich! Schnuckel…“
Wird aber nicht klappen, denn alle Männer (fast alle :)) sagen sich nach diesem Ausbruch ihrer Frauen: „DEN wähle ich bestimmt nicht! Schnösel…“ Und wie wir von der Matheaufgabe wissen, scheint es prozentual mehr Männer zu geben.
Ach ja, Slogans gibt es auch: „Schulranzen verändern die Welt. Nicht Aktenkoffer.“ Um Gottes Willen, dann gebt Trump und Kim Jong Un endlich den Ranzen, damit da endlich Ruhe herrscht in der Welt! Und, liebe FDP: Gewählt wird erst ab 16, da sind die Ranzen schon out. Oder wollt Ihr das Wahlrecht für Grundschüler einführen?
Der nächste: „Digital first. Bedenken second.“ Auf Jugend machend und smart steht Herr Lindner dazu da, seitlich aufgenommen und auf das Smartphone blickend. Bestimmt erstmal die neuesten Tweets von Trump und Helene Fischer lesend. Oder eher checkend. Denglisch first, Aussage at least. Oder so.
Mein Favorit: „Die Sicherheit muss besser organisiert sein als das Verbrechen.“ Lässig steht er da, nicht wie die Spießer von der SPD alle mit Schlips, sondern mit geöffnetem oberen Knopf des weißen Hemdes (der weißen Weste) und blickt wie ein Hundewelpe in die Kamera. Da geht die Mafia doch freiwillig sofort zurück nach Sizilien. Ich persönlich mache daraus: „Die Sinnhaftigkeit muss besser organisiert sein als das Versprechen.“

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Schnuckel vs. Schnösel

Die AfD.

Fickt Euch.

Ich gebe deren Plattitüden nicht weiter; sollen sie ihre Flyer doch bei Frei.Wild oder in Themar verteilen.

Außer: „Trau Dich, Deutschland!“ Ja, trau Dich. Trau Dich an die Wahlurne und wähle. Egal was, aber nicht die!

Deren restliche Slogans sind teilweise so erbärmlich eindeutig (oder gewollt eindeutig!!!), dass kein Mensch mehr reinen Gewissens behaupten könne, es sei keine rechtsorientierte oder rechte Partei. Mehr gibt es zu denen nicht zu sagen.

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Mit Satire dem traurigen Ernst entgegen sehen.

Das bringt mich aber zum Fazit: Wie schwachsinnig oder albern oder nichtssagend die Slogans und Plakate auch sein mögen: Geht wählen!!!!!!! Demokratie macht sich nicht von alleine! Und zur Not wählt eben

Die Partei.

Das scheint nämlich die einzige Partei mit verständlichen Slogans zu sein:
„Merkel isst doof!“ (Das wusste schon Altkanzler Kohl)
„Ja zur Massenbierhaltung.“
„Je höher das Plakat, desto niedriger das Niveau.“

Allerdings haben sie mit dem Bild des toten Flüchtlingsjungen eine Grenze überschritten – und man sollte genau überlegen, eine Splitterpartei zu wählen.

Aber: Hauptsache wählen!!!!!
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Wir sehen uns im September im Wahllokal!